Studie Burnout und Stressbelastung bei Zahnärzten
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Burnout | Pathogenese

Auch für den Burnout-Entstehungsprozess liefert die Literatur unterschiedliche Definitionen. Konsens besteht darüber, dass es sich um einen unmerklichen, schleichenden und langwierigen Vorgang handelt (Savicki et al., 1983). Zur Darstellung der Pathogenese wurden diverse Modelle basierend auf Längsschnitt- oder Verlaufsstudien entwickelt (Korczak et al., 2010). Zahlreiche Autoren (Pines & Maslach 1978, Lauderdale 1982, Freudenberger & Richelson 1983, Cherniss 1980 und Edelwich & Brodsky 1980) belegen eine Systematik im Auftreten der Symptome und verdeutlichen diese Regelmäßigkeiten in differenten Burnout-Phasentheorien (Burisch, 1994).

Zu Beginn des Burnout-Verlaufs gelingt es noch die ersten Erschöpfungsanzeichen, mit Hilfe der Willensstärke des Individuums und dem gesteigerten Einsatz der Kräfte, konsequent zu verdrängen und dadurch scheinbar zu kompensieren. Parallelen zur beschriebenen Anfangsphase findet man in zahnmedizinischer Hinsicht während der Zeit der Existenzgründung. Jegliche freie Minute wird mit höchstem Engagement, großer Euphorie und Perfektion der neu eröffneten Praxis und den zu behandelnden Patienten gewidmet. Die dauerhafte Überlastung und subtile Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse führt langfristig zur chronischen Erschöpfung vornehmlich der Emotionslage. Daher wird die Dimension der „emotionalen Erschöpfung“ als Kernsäule des Burnouts beschrieben.

Zum Schutz vor weiterer Überlastung bilden die Betroffenen immer stärkere Depersonalisierung-Tendenzen aus (Hillert et al., 2006). Als Kompensationsversuch des emotionalen Stresserlebens gilt unter anderem der soziale Rückzug von der Umwelt, die Verleumdung von Problemen, sowie die Verdrängung und Negierung jeglicher Konfliktsituation. Zunehmend erscheinen die Betroffenen kritikunfähiger, neigen zu paranoiden Gedanken und Aggressionen. Übertragen auf die zahnärztliche Tätigkeit zeigt der „ausgebrannte“ Zahnmediziner ein zunehmend distanzierteres, negatives, zynisches und abwertendes Verhalten gegenüber den Patienten.

Nicht selten scheint die Bewältigung der persönlichen Probleme nur noch durch Alkohol, Medikamente oder Drogen erreichbar zu sein. Aus den entwickelten Verhaltensänderungen resultiert ein schrittweiser Verlust der Persönlichkeit und eine nachhaltige „Verflachung“ des eigenen Lebens. Die beschriebene „Depersonalisierungs-Tendenz“ steht in direktem Widerspruch zu den Werten, Normen, Idealen und beruflichen Ansprüchen des Zahnarztes und bedingt die Unzufriedenheit der eigenen Leistung. Zusätzlich beschleunigt die mangelnde Regenerationszeit mit der Familie und Freunden den rapiden Verlust der persönlichen Leistungsfähigkeit.

Schließlich bricht das individuelle System in sich zusammen und führt zur vollen Ausprägung des Krankheitsbildes „Burnout“ mit all seinen Folgen. Der betroffene Zahnmediziner ist nicht mehr in der Lage seine Tätigkeit auszuüben. Um diesen Zustand zu vermeiden müssen wir unseren eigenen Berufsstand mit geeigneten Prophylaxe- und Präventionsmaßnahmen effektiv schützen.


Literatur:

Burisch M. (1994)
Ausgebrannt, verschlissen, durchgerostet
Psychologie Heute. 1994 Sep; 9:23-6.

Burisch M. (2006)
Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung
Heidelberg: Springer Medizin Verlag, 2006

Cherniss C. (1980)
Staff Burnout, Job stress in the human services
Beverly Hills: Sage Publications Inc, 1980

Freudenberger H.J. (1974)
Staff Burn-Out
Journal of Social Issues. 1974; 30(1):159-165.

Hillert A., Marwitz M. (2006)
Die Burnout Epidemie - oder brennt die Leistungsgesellschaft aus?
München: Verlag C.H. Beck, 2006

Korczak D., Kister C., Huber B. (2010)
Differentialdiagnostik des Burnout-Syndroms
Health Technology Assessment - Bericht 105
Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information
Köln: Bundesministerium für Gesundheit, Bosch Druck, 2010

Pines A.M, Aronson E. and Kafry D. (2006)
Ausgebrannt: vom Überdruss zur Selbstentfaltung
„Burnout - From Tedium to Personal Growth" / trans. Von Cranach A.
Stuttgart: Klett-Cotta, 2006; 10. Auflage

Savicki V., Cooley E.J. (1983)
Theoretical and research considerations of burnout
Children and Youth Services Review. 1983; 5(3):227-238.

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